Entstehung und Geschichte der Skudde

Die Skudde gehört zu einer Gruppe von Rassen, die in Nord– und Nordwesteuropa seit vielen Jahrhunderten gehalten werden.

Sie kommen  von den Färöerinseln und Island bis zum Baltikum vor. Man fasst sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu den kurzschwänzigen,

mischwolligen Heidschafen zusammen. Viele dieser  Rassen fanden früh den Eingang in Lehrbücher, andere wurden lange nicht beachtet.

Die Nichtbeachtung  lag oft daran das es eine mangelnde Einheitlichkeit zwischen den Rassen gab und andere Tiere in einem erbärmlichen

Zustand waren. Oftmals wurden sie in ärmlichen Betrieben gehalten, wo sie dürftig ernährt und in der Haltung vernachlässigt wurden. Das

Erscheinungsbild war hiernach kläglich. Deshalb befand man diese Tiere nicht als förderungswürdig und sie wurden nicht weiter beachtet.

Zu diesen Tieren muss wohl auch die Skudde gehört haben.

 

1884 wurde die Skudde laut Herrn Stieger erstmals namentlich erwähnt. Sie ist ein  Landschaf Ostpreußens, insbesondere Masurens. Die

Skudde bekam auch die Namen „Masurenschaf“, „Kosse“ oder „Bauernschaf“.

 

Im 19. Jahrhundert trug die Skudde grobe Mischwolle und hatte einen kurzen grob behaarten Schwanz.  Sie gab es in den Farben weiß,

schwarz, mit bräunlicher oder grauer Tönung oder blaugrau mit schwarzen Extremitäten. Skudden galten als wild und unbändig. Die Behornung

war nicht einheitlich. Oft hatten weibliche Tiere keine oder besaßen nur Hornstümpfe, Böcke waren gehörnt. Es soll Gegenden gegeben haben

in denen Böcke vier oder gar sechs Hörner besessen haben sollen.

 

1927 soll der Versuch der Verdrängung der Skudde durch das veredelte württembergische Landschaf begonnen haben.  Der ursprüngliche

Typ der Skudde war damals kaum noch anzutreffen. Weibliche Tiere hatten große Ähnlichkeit mit den Graubündner Schafen (Tavetscherschaf).

Die Knochen waren fein, der Kopf keilförmig. Die Skudde hatte spitze Ohren und der Schwanz war nur noch bis zur Wurzel bewollt, der untere

Teil trug ca. 5 cm Stichelhaare. Sie galt als spätreif, jedoch mit großer Fruchtbarkeit. In den meisten Fällen wurden Zwillinge geboren.

 

Am längsten hat sich die Skudde laut Doehner (1937) in Masuren und der Kurischen Nehrung gehalten. Ende der 30er Jahren war sie in

Ostpreußen kaum noch zu finden, jedoch noch in Litauen.

 

1945 soll es etwa nur noch 1.000 Tiere gegeben haben und im Ursprungsgebiet, welches jetzt zu Polen und Russland gehört, sogar als ausgestorben

galt.

 

Der Gesamtbestand der heutigen Skudden geht vermutlich auf den Münchner Tierpark Hellabrunn zurück, hier wurden bereits

1941 Skudden gehalten bzw. war eine Zuchtgruppe vorhanden.  Über die Herkunft der Münchner Tiere und Ihrer Ankunft gibt

es nur Vermutungen.

 

Die Zucht in der Bundesrepublik findet ihren Ursprung in wenigen, wohl importierten Tieren . Skudden wurden meist nur im Zoo oder von

Hobbytierhaltern gehalten. In Büchern über Tierzucht wurde sie jahrzentelang nicht erwähnt. Als landwirtschaftliches

Nutztier war sie unbedeutend. In der ersten hälfte der 80er gab es nur wenige Züchter, erst danach stieg das Interesse,

so dass die Skudde heute in fast allen Bundesländern vorkommt. Die Skudde ist jetzt Herdbuchrasse in den Farbschlägen

weiß, braun und schwarz.

 

                                       Die Skudde gehört zu den gefährdeten Nutztierrassen!